Grit Poppe/ Autorin Grit Poppe/ Autorin

Romane



Verraten

Klappenbroschur. Ab 14 Jahren
Hamburg: Dressler Verlag 2020
368 Seiten
EUR 12,00 €
ISBN-13: 978-3-7915-0164-2
Mit Zeitzeugeninterview

Der erste Satz


Er sah die Frau, die ihm in dem nichtssagenden Büro gegenübersaß, ungläubig an.

Inhalt


Ost-Berlin 1986: Nach dem Tod seiner Mutter sperrt man Sebastian in ein Heim, das einem Gefängnis gleicht. Ausgerechnet sein Vater, der die Familie vor Jahren verlassen hat, holt ihn dort raus. Doch irgendetwas stimmt nicht mit ihm. Als plötzlich ein Mann in Sebastians Schule auftaucht, erfährt er es: Sein Vater ist ein Staatsfeind. Und der Fremde ein Mitarbeiter der Stasi, der Geheimpolizei der DDR. Er will, dass Sebastian für ihn arbeitet. Sebastian bleibt keine Wahl. Entweder er bespitzelt seinen Vater oder er riskiert, dass die Stasi auch ihn in die Mangel nimmt – und Katja findet.
Katja, die Sebastian versteckt, weil sie aus dem Heim geflüchtet ist. Wenn sie auffliegt, ist er geliefert.

Leseprobe


Herr Möller tat munter, beinahe gutgelaunt, doch in seinem Blick lag auch etwas anderes. Eine Kälte, die Sebastian frösteln ließ.
Und wenn ich nur so tue, als ob?, dachte er. Es heißt doch, Papier ist geduldig, oder?
„Verpflichtung“, sagte Herr Möller noch einmal. Seine Stimme klang, als wäre nichts weiter dabei, als wäre dies alles nur ein formaler Akt.
Und vielleicht würde Sebastian ja hinterher darüber lachen? Über diese Nervosität? Über seine Angst?
„Hiermit verpflichte ich mich … inoffiziell … mit dem Ministerium für Staatssicherheit … unter Wahrung der Konspiration …“
Herr Möller machte eine Pause und sah ihn stirnrunzelnd an.
Zögernd begann Sebastian zu schreiben.
Danach brachte er keinen Ton heraus und sein Hals kam ihm zu steif vor, um den Kopf zu heben und sein Gegenüber anzusehen.
„Jetzt fehlt nur noch eine Kleinigkeit“, erklärte Herr Möller mit der Stimme des verständnisvollen Lehrers. „Als Decknamen wähle ich …“, diktierte er.
(…)
Sebastian spürte Abscheu in sich aufsteigen. Etwas wie Gift pulsierte in seinen Adern.
Das Blatt lag vor ihm auf dem Tisch. Doch die Buchstaben, die er unbeholfen wie ein Schulanfänger schrieb, schienen vor seinem Blick zu verschwimmen.
Was tat er hier eigentlich? Wofür verpflichtete er sich?

Der letzte Satz


Wie ein Raumschiff, das sie von hier fortbringen würde.

Presse und Meinungen


„Ein Stück Zeitgeschichte, das bewegt.“ Amnesty Journal


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